Psychotherapie / Behandlungsmethoden

 

Auf die individuelle Problematik der Patienten abgestimmt. „Erkenne dich besser! Verhalte dich sinnvoller!“

Eine akute und massive Symptomatik mit starkem Leidensdruck sollte zur  psychotherapeutischen Intervention motivieren.

 

a) Verhaltenstherapie

 

Störende, einschränkende Verhaltensweisen sollen für den Patienten einsichtig  und adäquat verändert werden, wobei die Konzentration vorwiegend auf gegenwärtige Verhaltensdeterminanten liegt.

 

b) Gesprächstherapie

Jeder Mensch besitzt Kräfte genug, seine eigenen Probleme zu lösen. Die Kräfte müssen aber erst gelockert und befreit werden.

Die Gesprächspsychotherapie versteht sich als eine Mischform zwischen konfliktzentrierten, übenden und erlebnisorientierten Psychotherapieverfahren.

Konflikte werden vom Therapeuten verstanden, verbalisiert und mit dem Patienten eine gemeinsame Sprache gefunden, in der diese Konflikte auf eine Lösung hin bearbeitet werden.

 

c) Bioenergetik

Hierbei geht es nicht nur um körperliche Übungen, sondern auch um die Analyse der dabei freigesetzten Emotionen und die Integration der neuen Erfahrungen in das Alltagsleben.

Da viele psychosomatische Patienten in ihrer Kindheit eine wenig förderliche Umwelt hatten, blieben Teile ihrer psychischen, emotionalen und intellektuellen Fähigkeiten unentwickelt. Diese o.a. Technik stellt für manche dieser Patienten eine Möglichkeit dar, Zugang zu erweiterten Erlebnis- und Wahrnehmungsfähigkeiten zu bekommen. Es findet eine Erweiterung der Sicht von der eigenen Person und der Umwelt statt.

 

d) Biofeedback

Während bei verschiedenen Ansätzen das willkürliche Verhalten im Vordergrund steht, geht es beim Biofeedback (was allgemein die Rückmeldung körperlicher Zustände bedeutet) schwerpunktmäßig um die Verstärkung bestimmter unwillkürlicher, also „autonomer“ Reaktionen.

Durch das Biofeedback erhält der Patient und der Therapeut eine Rückmeldung über den Ablauf von Körperfunktionen (Hirnströme, Herzschlag, Atemfrequenz, muskuläre Spannungen /Elektromyogramm EMG), Hautleitfähigkeit, Hauttemperatur, bis hin zu bestimmten Frequenzen (vorzugsweise: Alpha-Wellen) im Elektroenzephalogramm (EEG).

Der Patient trainiert die Selbstbeeinflussung und bekommt eine aktive Kontrolle sichtbar gemachter, unbewusst ablaufender vegetativer Funktionen.

Es findet eine Unterbrechung der psychophysiologischen Regelkreise mit Herabsetzung des allgemeinen Erregungsniveaus statt.

Die Kontrolle erfolgt mit Hilfe eines elektronischen Gerätes, und der Patient erhält sowohl eine optische Kontrolle als auch eine akustische Rückmeldung von Muskelaktivität, Atmung, Gefäßdurchblutung, Hautwiderstand, Herzfrequenz, Hirnwellen,

Die Eigenwahrnehmung des Menschen ist von großer Bedeutung und auch veränderbar. Bei vielen psychosomatischen Störungen unterdrücken die Patienten zum Beispiel die Wahrnehmung von mit körperlichen Dysfunktionen (Fehlfunktionen) verbundenen Spannungszuständen. Dieser Effekt lässt sich jedoch auch umkehren, und die meisten  körperzentrierten Psychotherapieverfahren versuchen, über verschiedene Wege zu einer Verbesserung der körpereigenen Empfindungen zu kommen.

Motorische oder vegetative Körperfunktionen, die normalerweise kaum einer Beobachtung zugänglich sind, werden mit Hilfe speziell konstruierter Geräte rückgemeldet, wahrnehmbar gemacht und damit der willkürlichen Kontrolle unterworfen.

Wann Biofeedback?

Gute Erfolge sind beispielsweise bei der Behandlung von vaskulärem-  und Spannungskopfschmerz, Zervikalsydrom, spastischem Schiefhals, Stottern, Tremor, Herzangst, Migräne, Magengeschwüren, chronischer Obstipation, Impotenz, Vaginismus, Schlafstörungen, nachgewiesen. Ebenfalls wurden gute Erfolge bei HWS-Syndrom verzeichnet. Durch EEG-Biofeedback ist sogar eine Behandlung von organisch verursachten Epilepsien gelungen.

Insbesondere in der Schmerztherapie (EMG-Rückkoppelung) sind gute Effekte gesichert.

 

e) Entspannungsverfahren

Primäres Ziel dieser unterschiedlichen Verfahren ist die Herstellung eines Zustandes von Entspanntheit, entweder des ganzen Körpers oder von einzelnen Körperteilen. Die dabei eingesetzten Methoden unterscheiden sich durchaus und entstammen verschiedenen Erfahrungsfeldern.

 

- Progressive Muskelentspannung (PMR)

Die Progressive Muskelentspannung (Progressive Relaxation) wurde   von dem Physiologen E. Jacobson konzipiert und zu einer systematischen Methode entwickelt, auf physiologischem Wege Angst und Spannung abzubauen,

Das Grundmodell geht von der Vorstellung aus, dass Etablierung und Wahrnehmung von Entspannung im unmittelbaren Kontrast zur Anspannung zu bewirken ist.

Die Übungstechnik besteht in einem schrittweisen, systematischen An- und Entspannen  verschiedener Muskelgruppen, wobei die Aufmerksamkeit gezielt auf die Empfindungsdifferenzen zwischen Anspannung und Entspannung sowie auf die Wahrnehmung der Entspannung selbst gelenkt wird.

Die Übung beginnt mit den Muskelgruppe an Händen und Armen, dann folgen Übungen für die Gesichts-, Nacken- und Schultermuskulatur, schließlich für die von Brust, Bauch und Beinen. Wie etwa beim Autogenen Training kann bei guter Beherrschung der Grundübungen eine verkürzte Form nach einiger Zeit eingesetzt werden, die dann zu einem vergleichbaren Entspannungseffekt führt.

Wann kommt Progressive Muskelentspannung zum Einsatz?

Ähnlich wie beim Autogenen Training bei Schmerzzuständen, Ängsten, Blutdruckerhöhungen und anderen psychovegetativen Störungen. Darüber hinaus wird sie prophylaktisch eingesetzt und erscheint zum Beispiel bei Berufen mit hohem Stressaufkommen, aber geringen motorischen Abfuhrmöglichkeiten als die Methode der Wahl zur raschen Entspannung.

Die PMR ist prinzipiell mit allen psychotherapeutischen Verfahren kombinierbar.

 

- Autogenes Training

Das Autogene Training (AT) ist eine unter Anleitung erlernbare Methode der „konzentrativen Selbstentspannung“.

Durch stufenweise erlernbare Entspannungsübungen gelingt eine zunehmende autosuggestive Beeinflussung der unwillkürlichen Körperfunktionen. Die Methode findet Anwendung zur Erholung, zu innerem Spannungsausgleich, zur Leistungssteigerung, Gedächtnissteigerung, Schmerzbeeinflussung und Selbstbeherrschung.

Die Methode kann sowohl als Gruppen- als auch Einzeltraining angewendet werden.

Durch passive Konzentration nacheinander auf verschiedene Bereiche des Körpers ist eine tiefe Entspannung erreichbar. Anfangs dienen Leitsätze als Konzentrationshilfe. Wenige Wochen nach Beginn des regelmäßigen Übens tritt eine Konditionierung der anfänglich noch autosuggestiv ausgelösten vegetativen Veränderungen ein.  Dadurch wird innerhalb der ersten Sekunden bis Minuten eine psychophysische Umschaltung mit herabgesetzter Bewusstseinslage erreichbar, die aber vom Übenden selbst jederzeit sofort zu unterbrechen ist.

Die persönliche Vermittlung und Motivierung durch einen Therapeuten sind vor allem wegen der Vermeidung von Fehlkonditionierungen für das individuell gestaltete Training wesentlich und nicht durch Tonkassetten ersetzbar.

Das AT ist stumm, bedient sich aber der gedanklichen Vorstellung. Jedes Wort hat eine Wirkung. Jede gedankliche Vorstellung ist ein Wort für sich selbst. Die Folge daraus ist, dass ein an sich selbst gerichteter Gedanke eine Wirkung haben muss.

Ziel des Autogenen Trainings ist neben der Entspannung, die tiefgehende Beruhigung, durch vermehrte Selbstkontrolle, besseres Umgehen mit den eigenen Möglichkeiten, Resonanzdämpfung der Affekte, Schmerzbekämpfung, vertiefte Innenschau mit Selbsterkenntnis (Ansatz zu Problembewältigungen), neue Wege der Selbstbesinnung und Selbstentfaltung, Leistungssteigerung, Verbesserung des Körpergefühls.

Die Probleme werden aus einer anderen Perspektive angeschaut und Enge, Spannungen sowie alles Ungesunde abgebaut. Gesundes wird gestärkt.

 

Wann sollte das AT genutzt werden?

U.a. bei Ängsten, innerer Unruhe oder psychovegetativen Störungen.

Beispielsweise gibt es Direktnachweise des Absinkens des Atemwegwiderstandes bei Asthmapatienten. Auch bei Hochdruckpatienten und Schlafgestörten ist das AT als psychotherapeutisches Mittel der ersten Wahl einzusetzen.

 

- Autogene Imagination

Sie kann als Aufbaustufe des Autogenen Trainings angesehen werden und dient u.a. zur Verbesserung der Visualisierungs- und Wahrnehmungsfähigkeit, bei gleichzeitigem Abbau der seelischen- und körperlichen Spannungszustände.